Matthias Hoch

Hotel Kobenzl

Matthias Hoch: Hotel Kobenzl, Salzburg, 2014-16

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 16. Juli - 30. Oktober 2016
Fotohof Salzburg, 29. Juli - 24. September 2016


Bei meinen ersten Besuchen setzte ich mich, allein im riesigen Hotel, nach Mitternacht an die Bar und war der großen, beredten
Leerheit dieser heruntergekommenen Ex-Pracht vollkommen ausgeliefert. Alles war opulent und zugleich nutzlos. (Andreas Maier)


Das Salzburger Hotel Kobenzl, oberhalb der Stadt gelegen, ist als ehemaliges Luxushotel bekannt. Als Matthias Hoch zusammen mit
dem Schriftsteller Andreas Maier das Kobenzl zum ersten Mal besucht, steht es schon seit Jahren leer. Die Zimmer sind in einem
guten Zustand, nahezu unberührt und konserviert. Es ist wie eine Zeitreise. Die Pracht des einstigen Fünf-Sterne-Hauses hat etwas
bekommen, was man charmant als Patina bezeichnen könnte. Allerdings handelt es sich nicht um ein Haus, sondern um ein Gebäude-
ensemble, bestehend aus dem ehemaligen Berggasthof und verschiedenen Anbauten der 1970er Jahre. Ein einziger Stilmix. Matthias
Hoch interessiert die Geschichte des Hotels, die Spuren der Nutzung, die Frage, was damals als Luxus galt.

Durch die Einbeziehung von Archivmaterial kommt eine weitere Ebene hinzu, die Geschichte des Hauses wird lebendig. Man sieht die
Inhaberfamilie Herzog mit prominenten Gästen wie Richard Nixon, Margaret Thatcher, Herbert Grönemeyer. Die Kinder, die im Hotel
aufwachsen, sind immer dabei. Irgendwann jedoch bleiben die Berühmten weg, die Karawane zieht weiter. Die Zeit ist nicht spurlos
am Hotel vorübergegangen: „Außer der Aussicht ist hier nichts mehr Luxus“. Nach gescheiterten Verkaufsplänen sowie Versuchen als
Vital- und Literaturhotel wird das Haus im Jahr 2006 geschlossen. Das Gebäude und die Innenräume bleiben zunächst unverändert,
denn der langjährige Hausmeister richtet die Zimmer Tag für Tag wieder her, als wäre nichts geschehen, acht Jahre lang.

In den Fotografien von Matthias Hoch, die Oberflächen und Beschaffenheit der Räume genau beobachten, erwächst aus der konser-
vierten Vergangenheit eine lebhafte Präsenz. Die Spuren der Veränderung, die Anhäufung von Stilen und Funktionen lassen erkennen,
welche Kräfte die Rituale und Abläufe des Alltagsgeschäfts, die sozialen und touristischen Angebote geformt haben. Die Bühnenhaftig-
keit der Räume lenkt wiederum die Aufmerksamkeit auf die Inszenierung und ihre Akteure.

Eine besondere Wendung in der Geschichte des Hotels markiert seine Umwandlung in ein "Flüchtlingsverteilzentrum" im Jahr 2015.
Die imaginären Qualitäten der Räume werden durch pragmatische Überlegungen abgelöst, das gesamte Mobiliar verschwindet und
wird ersetzt. Jahrzehnte nach der Politprominenz werden hier Menschen untergebracht, deren Schicksale nachhaltig durch die Politik
der Nachkriegszeit geprägt wurden. Der ehemalige Werbeslogan „Die Welt zu Hause im Kobenzl“ erhält eine neue Bedeutung.

Matthias Hoch: Hotel Kobenzl. Projektion. Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 16. 7. - 30. 10. 2016, www.gfzk.de
Matthias Hoch: Hotel Kobenzl. Die Geschichte eines Hauses. Fotohof Salzburg, 29. 7. - 24. 9. 2016, www.fotohof.at
Im Dezember 2016 erschien eine Publikation in der Fotohof edition, Sie können ein signiertes Exemplar hier bestellen.

Informationen zur Ausstellung in der GfZK Leipzig (deutsch/english): download pdf

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